2009/08/13 - THE INDIAN SUMMER


Ich mag ja Debütalben irgendwie. Man ist der einzige weit und breit der die Interpreten kennt, sich auf ihr bevorstehendes Release freut, was sich natürlich um Monate verspätet, nur weil die Macher noch verzweifelt versuchen Promotion zu machen... und dann, wenn man es endlich besitzt, in diesem Fall sogar schon kurz bevor es auf den Markt kommt, und es mit so einer Gier verschlingt, geblendet von dem ganzen Hype, den man selber von der Welle auf der man ritt, von oben herab machte... ja, wenn es erst einmal soweit ist, dann ist ein Album am schönsten zu genießen.

So. Heute, am 18. August, wird also ein Album veröffentlicht, was scheinbar niemand außer mir kennt, wovon scheinbar niemand außer mir schonmal gehört hat, und, was eigentlich noch viel schlimmer ist, wofür sich scheinbar niemand außer mir interessieren wird. Deswegen diese ganze Wortgewand-heit, in der ich diese CD einkleide.

Aber von wem ist denn jetzt diese CD?

Die CD, liebe Leserin, lieber Leser, ist von der britischen Band "The XX". Also. In Zukunft bitte Ausschau nach einem schwarzen Cover, mit weißem "X" darauf Ausschau halten. Im Falle einer Sichtung: Ruhig mal in die Hand nehmen, angucken, umdrehen, Rückseite angucken, kurz an mich denken, und es resigniert wieder zurücklegen.

Aber wie klingen denn jetzt The XX?

Der Inhalt dieser CD, von der ich gerade eben sprach ist irgendwie ungleich nichts und niemandem. Natürlich wird sich an Ikonen wie Joy Division, Young Marble Giants oder Aaliya orientiert. Was ich mit eigentlich versucht habe zu sagen, ist, dass sie sich völlig von allem konventionellem unserer Zeit abwenden und gegen den scheinbar ständigen Lärm der überall und dort und dort drüben und in diesem Augenblick und in jenem Album herrscht, mit schlichter Harmlosigkeit und genügend Sicherheitsabstand, ganz differenziert aus der Ferne wehren. - und das mit Leichtigkeit. Und Gitarrenanschlägen, die direkt aufs Herz zielen, um den gemeinen, bösen Wochenenddiscogänger, das auffallend einfallslose Fluokid, oder den mitteilungsbedürftigen Szenejungen, sammt seines Halbwissens, ruhig zu stellen. Infinity hat sich zum Glück nun endlich- und ein für alle mal ausgetanzt. Zumindest das von 1990 und 2008. Das neue Infinity von 2009 ist fürs Nachdenken und Genießen gedacht.

Als ich erstmals das vollständige Album gehört habe - ich brauchte 2 Versuche, weil ich beim ersten eingeschlafen bin - hatte ich das Gefühl: "So... der Sommer war schön, der Sommer war toll, aber, das musst du dir jetzt eingestehen... bald ist der Sommer vorbei. Genieße also die letzten Wochen mit dieser Musik. Pack sie auf deinen MP3-Player, je früher desto besser, du weißt ja, dass du sowas immer gerne aufschiebst, also tue es jetzt... und... naja... dann hörst du sie. An der Bushaltestelle, auf fremden Beifahrersitzen (wenn du deinen Bus mal wieder verpasst), in der Bücherei, wenn du in nächster Zeit Kaffee trinken solltest, oder auch falls du Enten fütterst, wenn du mal wieder genug von all den nervigen Stimmen hast... und natürlich auf dem Weg nach Hause."

The XX - Teardrops


The XX - Crystalised


The XX - Infinity


Kaum zu glauben, dass 19-jährige Schulabgänger es schaffen so gute Musik zu produzieren und dabei auch noch so gelassen zu bleiben, bzw. sich nicht von ihrer aufkommenden Brisanz und ihrem Erfolg irritieren lassen. Schulabgänger, übrigens, der Schule, in der auch unlängst Hot Chip, Four Tet und Burial ihren Abschluss gemacht haben. Wirklich ein Jammer, dass es bei uns nicht so gute Musiklehrer gibt, wie in London.

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